Die Entscheidung zwischen Ökostrom und Erdgas für Heizung und Warmwasser ist nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch der Wirtschaftlichkeit. Wir vergleichen beide Energieträger umfassend.
Die Grundlagen: Ökostrom vs. Erdgas
Bevor wir in den Kostenvergleich einsteigen, ist es wichtig, die Unterschiede zwischen beiden Energieträgern zu verstehen:
Ökostrom
Ökostrom wird aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse erzeugt. Für Heizung und Warmwasser wird er in Wärmepumpen, Elektroheizungen oder für Power-to-Heat-Systeme eingesetzt.
Erdgas
Erdgas ist ein fossiler Brennstoff, der direkt in Gasheizungen, -thermen oder Blockheizkraftwerken verbrannt wird. Es gilt als der sauberste fossile Energieträger.
Kostenvergleich 2025: Zahlen und Fakten
Ökostrom-Preise
Der durchschnittliche Ökostrom-Preis liegt 2025 bei etwa 32-35 Cent pro kWh. Dieser Preis ist in den letzten Jahren gesunken, da:
- Die EEG-Umlage abgeschafft wurde
- Mehr Anbieter Ökostrom-Tarife anbieten
- Die Produktionskosten für erneuerbare Energien gesunken sind
Erdgas-Preise
Erdgas kostet 2025 durchschnittlich 8,5-9,5 Cent pro kWh. Damit ist es deutlich günstiger als Strom, allerdings schwanken die Preise stärker aufgrund:
- Abhängigkeit von internationalen Märkten
- Geopolitischen Einflüssen
- Saisonalen Schwankungen
Effizienz macht den Unterschied
Ein reiner Preisvergleich pro kWh greift zu kurz. Entscheidend ist die Effizienz der verschiedenen Heizsysteme:
Wärmepumpen (Ökostrom)
Moderne Wärmepumpen erreichen eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,5-4,5. Das bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 3,5-4,5 kWh Wärme erzeugt.
Effektive Heizkosten: 32 Cent ÷ 4 = 8 Cent pro kWh Wärme
Gasheizungen (Erdgas)
Moderne Gasheizungen haben einen Wirkungsgrad von etwa 90-95%. Bei einem Gaspreis von 9 Cent pro kWh entstehen effektive Heizkosten von etwa 9,5-10 Cent pro kWh Wärme.
Direkter Kostenvergleich
Heizsystem | Energiepreis | Effizienz | Effektive Heizkosten |
---|---|---|---|
Wärmepumpe (Ökostrom) | 32 Cent/kWh | JAZ 4,0 | 8 Cent/kWh Wärme |
Gasheizung (Erdgas) | 9 Cent/kWh | 95% Wirkungsgrad | 9,5 Cent/kWh Wärme |
Anschaffungskosten und Amortisation
Wärmepumpe
Die Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe liegen zwischen 15.000-25.000 Euro, je nach Typ und Größe. Staatliche Förderungen reduzieren diese Kosten erheblich:
- BAFA-Förderung: bis zu 40% der Kosten
- KfW-Kredite mit günstigen Zinsen
- Regionale Förderungen
Gasheizung
Eine neue Gasheizung kostet 8.000-15.000 Euro. Allerdings werden neue Gasheizungen ab 2024 nur noch in Ausnahmefällen gefördert, da sie nicht zur Klimaneutralität beitragen.
Beispielrechnung: Einfamilienhaus
Betrachten wir ein typisches Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr:
Wärmepumpe mit Ökostrom
- Stromverbrauch: 15.000 kWh ÷ 4 (JAZ) = 3.750 kWh
- Jahreskosten: 3.750 kWh × 32 Cent = 1.200 Euro
- Anschaffung (nach Förderung): 12.000 Euro
Gasheizung
- Gasverbrauch: 15.000 kWh ÷ 0,95 = 15.789 kWh
- Jahreskosten: 15.789 kWh × 9 Cent = 1.421 Euro
- Anschaffung: 12.000 Euro
Ersparnis pro Jahr: 221 Euro zugunsten der Wärmepumpe
Zukunftsperspektive: Welche Entwicklungen sind zu erwarten?
Strom wird günstiger, Gas teurer
Langfristig ist mit sinkenden Strompreisen und steigenden Gaspreisen zu rechnen:
- Strompreise sinken durch mehr erneuerbare Energien
- Gaspreise steigen durch CO2-Bepreisung
- Neue Technologien machen Wärmepumpen effizienter
Regulatorische Entwicklungen
Die Politik fördert den Umstieg auf erneuerbare Energien:
- Verbot neuer Gasheizungen ab 2024 (mit Ausnahmen)
- Steigende CO2-Preise für fossile Brennstoffe
- Erhöhte Förderungen für Wärmepumpen
Vor- und Nachteile im Überblick
Ökostrom/Wärmepumpe
Vorteile:
- Niedrigere Betriebskosten
- Umweltfreundlich und klimaneutral
- Staatliche Förderung verfügbar
- Wertsteigerung der Immobilie
- Unabhängigkeit von Gasimporten
Nachteile:
- Höhere Anschaffungskosten
- Aufwendigere Installation
- Eventuell Dämmung erforderlich
- Abhängigkeit von Außentemperatur
Erdgas
Vorteile:
- Niedrigere Anschaffungskosten
- Bewährte Technologie
- Funktioniert in allen Gebäuden
- Schnelle Installation möglich
Nachteile:
- Höhere Betriebskosten
- CO2-Emissionen
- Abhängigkeit von Gasimporten
- Steigende CO2-Bepreisung
- Keine Förderung mehr
Empfehlung: Wann welche Lösung?
Wärmepumpe mit Ökostrom empfehlenswert bei:
- Neubauten oder gut gedämmten Gebäuden
- Heizungsmodernisierung mit Zeit für Planung
- Möglichkeit für Erdwärme oder Luft-Wasser-Systeme
- Wunsch nach langfristig stabilen Energiekosten
- Umweltbewusstsein als wichtiger Faktor
Gasheizung noch sinnvoll bei:
- Bestehenden Gasanschlüssen in älteren Gebäuden
- Übergangszeiten bis zur energetischen Sanierung
- Kombination mit anderen erneuerbaren Energien geplant
- Wirtschaftlichen Engpässen bei der Anschaffung
Fazit: Ökostrom gewinnt langfristig
Obwohl Erdgas aktuell noch günstiger im Einkauf ist, sprechen die Effizienz moderner Wärmepumpen und die zu erwartende Preisentwicklung klar für Ökostrom. Die Kombination aus niedrigeren Betriebskosten, staatlicher Förderung und Klimaschutz macht die Wärmepumpe zur zukunftssicheren Wahl.
Für die meisten Hausbesitzer lohnt sich der Umstieg bereits heute finanziell. Mit steigenden CO2-Preisen und sinkenden Stromkosten wird dieser Vorteil in den kommenden Jahren noch deutlicher werden.
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